Dr. Christoph Schubart

 

Universität Regensburg
Institut für Zoologie
93040 Regensburg


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Raum 3.0.31



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15. Deutschsprachige Crustaceologen - Tagung vom 7. - 10. April 2011



Veröffentlichungen der letzten Jahre

Lebenslauf

 

Forschungsinteressen:

Meine Forschungsinteressen gelten hauptsächlich der Evolution, der Ökologie und dem Verhalten dekapoder Crustaceen. Mit einer Kombination von morphologischen und molekularen Daten beschäftige ich mich schwerpunktmäßig mit Fragen zur Systematik, Biogeographie und Ökologie mariner und limnischer Zehnfusskrebse. Zur Zeit befasst sich meine Arbeitsgruppe mit folgenden Forschungsprojekten:

1) Phylogenie und Taxonomie von ausgewählten dekapoden Familien.
Unsere genetische und morphologische (adult und larvale) Vergleiche innerhalb verschiedener dekapoder Taxa haben gezeigt, dass die derzeitige Zusammensetzung vieler Überfamilien, Familien und Gattungen nicht mit ihren phylogenetischen Abstammungen übereinstimmt. Meine gegenwärtige Forschung auf diesem Gebiet widmet sich mehreren Familien der Brachyura, die unter den Thoracotremata zusammengefasst sind (Ocypodoidea, Grapsoidea, Pinnotheroidea) und zusätzlich den heterotremen Überfamilien Portunoidea, Cancroidea und Xanthoidea. Die Ergebnisse sollen dazu führen, taxonomische Einheiten, die phylogenetische Verhältnisse widerspiegeln, neu zu definieren und somit zu einer Erstellung des "Baum des Lebens" tree of life beitragen.

2) Adaptive Radiationen von Landkrabben der Großen Antillen: ökologische Mechanismen und intraspezifische Plastizität (gefördert durch DFG Schu 1460/3 als Teil des DFG Schwerpunktprogramms SPP1127 ). In diesem Projekt vergleichen wir die Phylogenie, Ökologie und Populationsgenetik von endemischen Süßwasser- und Landkrabben von Jamaika und den anderen Großen Antillen Kuba, Hispaniola und Puerto Rico. Auf Jamaika leben zehn beschriebene Arten (voraussichtlich mehr) von Krabben der Familie Sesarmidae in völliger Unabhängigkeit vom Meer und besiedeln außergewöhnliche Süßwasser- und terrestrische Habitate, wie Karsthöhlen, Bromelienblattachseln und leere Schalen von endemischen Landschnecken. Wir untersuchen genetische und morphologische Differenzierung zwischen Krabbenpopulationen, sowie Ethologie und die Evolution von Sozialsystemen (siehe Seite Luise Heine) bei diesen rezenten Landbesiedlern. Im Vergleich dazu erscheint die Krabbenfauna der anderen Großen Antillen (Familie Pseudothelphusidae, Gattung Epilobocera) genetisch und ökologisch verarmt. Die Mechanismen, die eine adaptive Radiation auf Jamaika eingeleitet haben, werden dabei eingehend untersucht (siehe Seite Tobias Santl).

3) Endemismus in teil-isolierten Meeresbecken, am Beispiel der Decapoda vom Mittelmeer und vom Golf von Mexiko. Molekulare und morphologische Marker werden von uns verwendet, um die Crustaceenfauna des Mittelmeers und die des Golfs von Mexiko mit der von benachbarten Gebieten des Atlantiks zu vergleichen. Endemismen im Mittelmeer und Golf von Mexiko treten sehr viel zahlreicher auf als bisher bekannt und scheinen z.T. die Folge pliozäner und pleistozäner Temperaturschwankungen, wie auch Veränderungen von Meeresströmungen zu sein. Molekulare Analysen erleichtern die Erkennung dieser Endemismen und verdeutlichen den Schutzbedarf mariner Küstenhabitate im Mittelmeer (siehe Seite Silke Reuschel) und Golf von Mexiko. Die Vergleiche werden neuerdings ausgedehnt, indem Decapoden-Populationen aus dem tropischen Ost-Atlantik, der Karibik und dem tropischen West-Pazifik in die Untersuchungen miteinbezogen werden. Dabei kann die geologisch gut datierte trans-isthmische Differenzierung, zu beiden Seiten der Panama Landbrücke, mit einer amphi-antlantischen Differenzierung verglichen werden und sympatrische Vorgänge bekommen eine zeitliche Definition.

4) Radiationen und Phylogeographie eurasischer Decapoda im Süßwasser und an Land (gefördert durch DFG Schu 1460/6). In Europa und Asien haben mehrere Gruppen von dekapoden Crustaceen unabhängig voneinander Süßwasser und terrestrische Habitate besiedelt. Während fünf Arten von heimischen Flusskrebsen (Familie Astacidae) in Seen und Flüssen Gesamteuropas vorkommen, findet man Süßwasserkrabben der Gattung Potamon nur in Italien und Südosteuropa. Wir führen populationsgenetische und ökologische Untersuchungen an dem Steinkrebs Austropotamobius torrentium in Deutschland und Mitteleuropa, so wie an der Krabbe Potamon fluviatile in Italien and Griechenland (in Zusammenarbeit mit Kollegen der Universität Florenz ; siehe Seite Ruth Jesse) durch. Im tropischen Asien trifft man eine weitaus vielfältigere Fauna von Süßwasserkrabben (Überfamilien Potamoidea und Gecarcinucoidea) an. In den alten Hochlandseen der indonesischen Insel Sulawesi haben parathelphuside Krabben und atyide Garnelen (siehe Seite Kristina Zitzler) eine rezente Radiation mit ökologischer Spezialisierung erfahren. Die Besiedlungsgeschichte Asiens durch gecarcinucoide Krabben (siehe Seite Sebastian Klaus) und die der Hochlandseen Sulawesis (siehe Seite Peter Koller) werden untersucht, um historische Migrationsphänomene und beginnende Speziation nach Kolonisierung neuer Habitate bei diesen Süßwasserkrabben zu rekonstruieren.