Lebewesen zeichnen sich durch eine enorme Vielfalt von Formen und Lebensweisen aus - beispielsweise unterscheiden sich durchschnittliche Körpergröße, Lebensdauer und Anzahl von Nachkommen zwischen verschiedenen Tierarten um mehrere Zehnerpotenzen: während manche Milben sich bereits im Mutterleib verpaaren und bereits schwanger geboren werden, beginnen viele Wirbeltiere erst nach Jahren oder sogar Jahrzehnten kostenintensiven Wachstums damit, sich selbst fortzupflanzen. Die Ursachen für diese Bandbreite von "life histories" sind bis heute nur unzureichend verstanden. Sie aufzuklären, ist somit eine der zentralen Aufgaben der Evolutionsbiologie.
Am LS Biologie I der Universität Regensburg versuchen wir, exemplarisch an einigen Modellorganismen die Evolution verschiedener Merkmale und Verhaltensweisen nachzuvollziehen und zu verstehen, wie sich Umweltbedingungen auf die Entstehung alternativer Lebensweisen auswirken und welche adaptive Bedeutung diese haben. Vorhersagen aus evolutionsbiologischen Modellen (Spieltheorie, Theorie der Verwandtenselektion etc.) werden durch empirische Vergleiche zwischen oder innerhalb von Arten und experimentelle Manipulationen überprüft. Alle diese Fragestellungen berühren verschiedenste Gebiete der Biologie: Evolutionsbiologie, Ökologie und Ökophysiologie, Verhaltensbiologie, chemische Ökologie, Phylogeographie und Populations- bzw. Soziogenetik.
Entsprechend vielfältig sind die Methoden, die wir in unseren Untersuchungen anwenden. Neben klassischer Freilandarbeit (in Europa, Afrika, Nord- und Südamerika, Südostasien und Australien), video- und computer-unterstützten Verhaltensbeobachtungen, Histologie und Elektronenmikroskopie setzen wir molekularbiologische Methoden zur Analyse von Verwandtschafts- und Abstammungsverhältnissen (Enzym-Elektrophoresen, PCR, Mikrosatelliten-Analysen, Sequenzierung von Kern- und mitochondrialer DNA, RNAseq und RT-PCR für den Vergleich der Genexpression) und Gaschromatographie / Massenspektrometrie zur Aufklärung der chemischen Zusammensetzung von Signalen ein. Weitere Bestandteile unserer Arbeit sind statistische und populationsgenetische Auswertverfahren und Modellbildung bzw. Simulationen. Unser Interesse gilt dem gesamten Tierreich. Die Tiergruppen an denen wir aber hauptsächlich arbeiten sind:
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