Circadiane
Rhythmik von Drosophila Biologische
Uhren kontrollieren eine Vielzahl tagesrhythmischer Prozesse, wie z.B.
Schlaf/Wach-Rhythmen bei Säugern und Lokomotionsaktivität
bei Insekten. Insekten – insbesondere die Taufliege Drosophila
melanogaster - werden erfolgreich als Modellsysteme zur
Erforschung der Funktionsweise innerer Uhren auf molekularer Ebene
benutzt. Uns interessiert die Funktion der inneren Uhr auf neuronaler
Ebene sowie die Synchronisation der inneren Uhr auf den externen
Licht-Dunkel Wechsel. ![]() Viele
Neuronen sind intrinsisch und ihre Hauptaufgabe könnte in der
Kommunikation zwischen einzelnen Schrittmacherneuronen liegen, sowohl
innerhalb eines Schrittmacherzentrums als auch zwischen den
Schrittmacherzentren beider Gehirnhemisphären. Andere Neurone
projizieren in benachbarte oder weiter entfernte Hirnregionen und sind
geeignet die circadianen Signale dorthin zu übertragen. Wieder
andere scheinen in erster Linie Lichtsignale aus der Umgebung zu
empfangen und weiter zu verarbeiten. Die genaue Rolle einzelner
Schrittmacher-Neurone sowie ihr Zusammenspiel in der Erzeugung von
Verhaltensrhythmen ist noch Gegenstand intensiver Forschung. ![]() Das Projektionsmuster der PDF-Neuronen spricht dafür, dass sie sowohl in der Kopplung zwischen den Schrittmacherneuronen beider Hemisphären als auch im Ausgangsweg der circadianen Signale zu anderen Hirnregionen involviert sind. Auch das Neuropeptid PDF scheint beide Funktionen inne zu haben: PDF agiert als Kommunikationssignal zwischen den Schrittmacherneuronen (Stengl und Stengl, 1997; Peng et al., 2003; Lin et al., 2004) und als Ausgangstransmitter derselben (Renn et al., 1999; Helfrich-Förster et al., 1999). Außer den PDF-Neuronen, die auch als ventrale Laterale Neuronen (s-LNv und l-LNv) bezeichnet werden sind noch die sogenannten dorsalen Lateralen Neuronen und die Dorsalen Neuronen an der Rhythmusgeneration beteiligt. ![]() Alle Neuronen scheinen miteinander zu kommunizieren. Durch gezielte genetische Manipulation (Expression von Zelltodgenen, Blockade der synaptischen Transmission oder Endo- bzw. Exozytose) der verschiedenen Neuronengruppen möchten wir die Funktion der verschiedenen Schrittmacher-Neuronen Gruppen in der Erzeugung von rhythmischem Verhalten aufklären. Synchronisation der inneren Uhr durch Licht-Dunkel Zyklen Eine grundlegende Eigenschaft von circadianen Rhythmen ist ihre Fähigkeit, sich an die natürlichen tagesperiodischen Veränderungen anpassen zu können. Dabei wirkt der Licht-Dunkel-Wechsel als wichtigster Zeitgeber für die Synchronisation der endogenen Rhythmen an die Umwelt. Die Perzeption des Lichtes kann über retinale oder extraretinale Photorezeption erfolgen. Interessanterweise setzen alle bisher untersuchten Tiere mehrere Photorezeptoren zur Synchronisation ihrer inneren Uhr ein. Die Taufliege Drosophila melanogaster benutzt folgende verschiedene retinale und extraretinale Photorezeptoren: Die Komplexaugen, das Hofbauer-Buchner Äuglein, die Ocellen und das Blaulichtphotopigment Cryptochrom in den circadianen Schrittmacherneuronen selbst (Helfrich-Förster et al., 2001; 2002; Rieger et al., 2003) ![]() Außerdem scheint eine Untergruppe der Schrittmacherneuronen zusätzlich zu Cryptochrom noch ein weiteres unbekanntes Photopigment zu verwenden (Veleri et al., 2003). Die Rolle dieser verschiedenen Photorezeptoren für die Synchronisation der Aktivitätsrhythmik soll aufgeklärt werden. Dabei liegt der Schwerpunkt zunächst auf der Rolle der Komplexaugen und des Hofbauer-Buchner Äugleins ![]() Es soll
überprüft werden, ob beide Strukturen in direktem
synaptischen Kontakt mit den circadianen Schrittmacherneuronen stehen.
Dann soll ihr Beitrag zur Synchronisation der
Aktivitätsrhythmik mit Hilfe von Mutanten, denen einzelne
Photorezeptoren fehlen, untersucht werden. Wir versprechen uns von den
Versuchen ein besseres Verständnis der
Synchronisationsmechanismen innerer Uhren generell. Innerhalb der Universität Regensburg besteht enge Zusammenarbeit mit:
Alois Hofbauer
Literatur: Dircksen H, Zahnow CA, Gaus G, Keller R, Rao KR, Riehm JP (1987) The ultrastructure of nerve endings containing pigment-dispersing hormone (PDH) in crustacean sinus glands: identification by an antiserum against synthetic PDH. Cell Tissue Res 250: 377-387. Inouye S, Kawamura H (1979) Persistence of circadian rhythmicity in a mammalian hypothalamic island containing the suprachiasmatic nucleus. Proc Natl Acad Sci USA 76, 5962-5966. Helfrich-Förster: siehe Publikationsliste Inouye S, Shibata S (1994) Neurochemical organization of circadian rhythm in the suprachiasmatic nucleus. Neurosci Res 20, 109-130. Lin Y, Stormo GD, Taghert PH (2004) The neuropeptide pigment-dispersing factor coordinates pacemaker interactions in the Drosophila circadian system. J Neurosci 24: 7951-7957. Peng Y, Stoleru D, Levine JD, Hall JC, Rosbash M (2003) Drosophila freerunning rhythms require intercellular communication. PLoS Biol 1: E13. Petri B, Stengl M (1997) Pigment-dispersing hormone shifts the phase of the circadian pacemaker of the cockroach Leucophaea maderae. J Neurosci 17: 4087-4095. Renn SCP, Park JH, Rosbash M, Hal, JC, Taghert PH (1999) A pdf neuropeptide gene mutation and ablation of PDF neurons each cause severe abnormalities of behavioral circadian rhythms in Drosophila. Cell 99: 791-802. Rieger D, Stanewsky R, Helfrich-Förster C (2003) Cryptochrome, compound eyes, Hofbauer-Buchner eyelets, and ocelli play different roles in the entrainment and masking pathway of the locomotor activity rhythm in the fruit fly Drosophila melanogaster. J Biol Rhythms 18: 377-391. Schwartz WJ, Reppert SM, Eagan SM, Moore-Ede MC (1983) In vivo metabolic activity of the suprachiasmatic nuclei: a comparative study. Brain Res 274: 184-187. Sehadovà H, Sauman I, Sehnal F (2003) Immunocytochemical distribution of pigment-dispersing hormone in the cephalic ganglia of polyneopteran insects. Cell Tiss Res 312: 113-125. Stanewsky, R. (2003). Genetic Analysis of the Circadian System in Drosophila melanogaster and mammals. J Neurobiol 54: 111-147. Veleri S,
Brandes C, Helfrich-Förster C, Hall JC, Stanewsky R. (2003). A
self-sustaining, light-entrainable circadian oscillator in the Drosophila brain. Curr Biol 13: 1758-1767. |