Die Entwicklung floristischer Kartierungen in Deutschland

(aus: "Atlas der Farn- und Blütenpflanzen der Bundesrepublik Deutschland", leicht verändert)

Dem 1865 veröffentlichten Aufruf von H. HOFFMANN, ihn "mit möglichst genauen Angaben über das Vorkommen oder Fehlen der nachstehend verzeichneten Pflanzen aus dem Landstrich .... zu unterstützen", um "in den nächsten Jahren eine Anzahl pflanzengeographischer Specialkarten aus dem betreffenden Gebiete zu veröffentlichen" folgten ab 1867 mehrere Kartenserien aus dem Mittelrheingebiet, die bereits die heute noch verwendeten Methoden der Punkt- und Rasterkartierung und ihre Interpretation durch Karten verschiedener ökologische Faktoren aufzeigen. Eine erste Studie legte HOFFMANN für Hessen bereits 1860 vor. Breitere Beachtung fanden allerdings erst die verschiedenen Aufrufe von R. GRADMANN 1899/1900, der für die Datensammlung in Baden, Württemberg und Bayern bereits ähnlich unserem heutigen Organisationsschema "regionale Vertrauensmänner" und eine "Centralstelle" vorschlug. Die Ergebnisse dieser Kartierungen wurden für Bayern teilweise von PAUL (1910), die übrigen 1905-1914 in der bekannten Arbeit "Ergebnisse der pflanzengeographischen Durchforschung von Württemberg, Baden und Hohenzollern" von EICHLER, GRADMANN und MEIGEN 1927 veröffentlicht. Diese Punktkartierungen fanden ihre Fortsetzung zum Beispiel in der von MEUSEL ab 1937 herausgegebenen Reihe "Verbreitungskarten mitteldeutscher Leitpflanzen", aber auch in zahlreichen Einzeluntersuchungen bis in die jüngste Zeit.

Den ersten Anlauf zu einer genauen Kartierung aller Arten der deutschen Flora für das ganze Gebiet des Deutschen Reiches veröffentlichte MATTFELD 1922. Wenn trotz mehrfacher Veröffentlichung von Aufrufen und Berichten bis 1945 keine größeren Ergebnisse vorgelegt werden konnten, so wohl u. a. deshalb, weil bei der gewünschten Flächenschärfe von mindestens 250 m x 250 m für jeden Fundort jeder Art ein Abschluß dieses Projektes in beschränkter Zeit unmöglich war. Leider konnten die trotzdem gesammelten, umfangreichen Daten nur zu einem geringen Teil über den Krieg gerettet werden.

Für eine floristische Kartierung Mitteleuropas nach dem Beispiel des "Atlas of the British Flora" (PERRING und WALTERS, 1962) haben F. EHRENDORFER und U. HAMANN 1964 auf der Tagung der Deutschen Botanischen Gesellschaft Vorschläge vorgelegt (EHRENDORFER u. HAMANN, 1965). Nach organisatorischen Vorarbeiten von U. HAMANN (damals in Berlin-Dahlem) wurde 1967 am Systematisch-Geobotanischen Institut der Universität Göttingen unter der Leitung von H. ELLENBERG eine "Zentralstelle für die floristische Kartierung Westdeutschlands" geschaffen, die in enger Verbindung mit der zugleich als Koordinationszentrum für die Mitteleuropa-Kartierung tätigen "Zentralstelle für Florenkartierung in Wien" stand. 1968 folgte die erste gedruckte Kartierungsanleitung speziell für die Bundesrepublik Deutschland (ELLENBERG, HAEUPLER, HAMANN 1968). Gleichzeitig wurde bereits die Mehrzahl der Regionalstellen ins Leben gerufen. Neben dem seit 1968 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Vorläuferprojekt der Kartierung Süd-Niedersachsens (HAEUPLER 1974, 1976a) wurde z. B. in Bayern ebenfalls auf Quadranten-Grundlage ein entsprechendes Teilprojekt durchgeführt (BRESINSKY 1966, BRESINSKY & SCHÖNFELDER 1971-1984, SCHÖNFELDER 1976). Auf einer ersten Tagung der Regionalstellenleiter vom 22. - 23.5.1971 in Göttingen wurde die "Zentralstelle für die floristische Kartierung Westdeutschlands" erweitert und Einverständnis über das weitere Vorgehen erzielt. Die intensivere Arbeit begann in allen Teilen der Bundesrepublik 1971, ebenso die Förderung dieses Projektes durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft.

Berichte über den Fortgang der Arbeiten und Zwischenergebnisse bis zur Erstellung des "Atlas der Farn-und Blütenpflanzen der Bundesrepublik Deutschland" siehe NIKLFELD (1971), HAEUPLER & SCHÖNFELDER (1973, 1975a, 1975b, 1976), KRACH (1976), SCHUHWERK, SCHÖNFELDER & HAEUPLER (1978).

Weitere Publikationen im Zusammenhang des Projektes (v. a. im Zusammenhang mit dem Projekt Datenbank Gefäßpflanzen)

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Zitierte Literatur

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zuletzt geändert: Montag, 8. Dezember 1997 - Erstellung: Christian Düring, Zentralstelle für Floristische Kartierung